StreetArt meets FürenAlp

Der Künstler Pirmin Breu aus Muri verbindet Tradition, Natur und Gegenwart. Mit seinem neuen Projekt „Alpaufzug“ auf der Fürenalp und Entlang des Weges Engelberg – Tagenstall / Widderen – Fürenalp setzt er im Alpsommer 2026 ein starkes Zeichen für Kultur und Landschaftserlebnis.

Informationen zum StreetArt meets FürenALP

Das Kunstprojekt entlang des Wanderwegs Tagenstall in Engelberg – dort, wo Pirmin Breu seit über 30 Jahren regelmässig Zeit im Ferienhaus seiner Eltern verbringt. Die Region ist für ihn nicht nur ein Ort der Inspiration, sondern auch ein Stück Heimat.

Der „Alpaufzug“ knüpft an die uralte Tradition des Viehtriebs auf die Alp an und übersetzt sie in eine zeitgenössische, künstlerische Form. Besucherinnen und Besucher begegnen auf dem Wanderweg Bildwerke begleitet von Geschichten, die das Zusammenspiel von Mensch, Tier und Natur sichtbar machen. Dabei geht es nicht um eine nostalgische Rückschau, sondern um die lebendige Auseinandersetzung mit Kulturerbe und der Zukunft des alpinen Lebensraums.

Das Kunstprojekt lädt zum Innehalten und Staunen ein: Kunstwerke erscheinen unerwartet in der Landschaft, lassen neue Blickwinkel entstehen und schaffen eine Verbindung zwischen Tradition und Streetart. Mit dem „Alpaufzug“ führt Pirmin Breu die Gäste nicht nur auf eine Wanderung durch die Engelberger Bergwelt, sondern auch auf eine Reise durch Erinnerung, Gegenwart und Vision.

Alpaufzug

Die ersten Sonnenstrahlen krochen über die Berggipfel und vergoldeten die weiten Matten. Es war Anfang Sommer, und die Alpzeit begann auf der Fürenalp. Der Vater Sepp trieb die kräftigen Kühe voraus, die mit ihren Glocken fröhlich bimmelten. Hinterher stapften die Rinder, etwas ungestüm und neugierig, schnupperten an jeder Blume und schubsten einander spielerisch. Die Schafe zogen in dichter Gruppe nach, immer aufmerksam beobachtet vom treuen Hund „Bäri“, der flink um die Herde sprang und sie zusammenhielt. Die Mutter Anni kümmerte sich auf der Hütte um das Einrichten: Vorräte ordnen, Betten mit frischem Heu auslegen. Die Kinder halfen, so gut sie konnten – die eine trug Holzscheite, der andere sammelte Kräuter für den Tee. Bald roch es nach frischgebackenem Brot und Milchkaffee in der Alphütte.

Noch heute ist der Alpaufzug traditionel geblieben. Es ist eine anspruchsvolle Aufgabe die Tiere heil von Engelberg auf die verschiedenen Alpen Tagenstall, Vorder und Hinter Füren zu treiben. Dank dem Streetart Künstler Pirmin Breu, wird der Alpaufzug modern interpretiert und verbindet Kunst und Kultur.

Alpzeit

Wenn im Frühsommer die Schneefelder von den Berghängen verschwinden und das Gras saftig grün wächst, beginnt die Alpzeit. Die Alpzeit dauert ungefähr 100 Tage. In dieser Zeit lebt das Vieh hoch oben in den Bergen. Mit ihnen zieht auch ein Älpler oder eine ganze Älplerfamilie hinauf. Sie kümmern sich um die Tiere, melken die Kühe und verarbeiten die Milch zu Butter und Käse.

Früher war es selbstverständlich: Die Älplerfamilien verbrachten den ganzen Sommer auf der Alp. Sie wohnten in den einfachen Hütten, schliefen auf Heubetten und gingen nur selten ins Tal. Das Leben war streng, aber auch frei – jeden Tag inmitten von Natur und Tieren.

Heute ist vieles anders. Manche Älpler arbeiten tagsüber im Tal und fahren erst am Abend zurück auf die Alp. So bleibt die Verbindung zu beiden Welten: dem Arbeitsleben unten im Dorf und dem traditionellen Älplerleben oben auf der Bergweide.

Eines aber ist gleich geblieben: Die Alpzeit ist ein besonderer Abschnitt im Jahr. Sie prägt das Leben der Menschen und Tiere, sie verbindet Generationen, und sie hält eine alte Tradition lebendig. Wenn die Kuhglocken über die Weiden klingen und der Duft von frischem Alpkäse in der Hütte hängt, spürt man, dass die Alpzeit weit mehr ist als Arbeit – sie ist ein Stück Heimat und Kultur, welche Pirmin Breu neu interpretiert.

Kuhglocke

Die Sonne war schon über den Bergen, als der Klang der Glocken durchs Tal zog. Tief und ruhig klang die Glocke der alten Leitkuh „Bella“. Sie ging immer vorneweg, und die anderen Kühe folgten ihr fast von selbst. Jede Kuh trug ihre eigene Glocke – keine gleich wie die andere. Manche klangen hell und scheppernd, andere voll und tief. Zusammen ergaben sie eine Melodie, die man nur auf der Alp hören konnte.

Für die Familie waren die Glocken mehr als Schmuck. Sie waren wichtig. An ihrem Klang erkannte Sepp sofort, wo die Tiere gerade waren. Wenn eine Kuh sich zu weit entfernte, hörte er es sofort, und auch Bello, der Hund, spitzte dann die Ohren und lief los.

An einem Sommertag aber fiel dem jüngsten Sohn, Andrin, auf, dass eine Glocke fehlte. „Papa, ich hör die Rosa nicht mehr!“ sagte er. Rosa war eine junge Kuh mit einer hell klingenden Glocke. Tatsächlich – der vertraute helle Ton war verschwunden. Sofort gingen Vater und Sohn los. Sie folgten dem Pfad, hörten in den Wald hinein – nur das gleichmäßige Läuten der anderen Tiere. Nach einer Weile entdeckten sie Rosa, die Glocke lag im Gras. Sepp hob sie auf, klopfte den Staub ab und hängte sie wieder um. Am Abend sass die Familie vor der Hütte, und die Glocken klangen wieder wie ein Chor über die Alp. Für die Kinder war es fast wie Musik zum Einschlafen. Für die Eltern aber war es auch Sicherheit: Solange die Glocken tönten, wussten sie, dass es den Tieren gut ging.

Und so wurden die Glocken zu Stimmen der Herde – jede einzigartig, jede vertraut.

Umtriebsweide (Schafe)

Es war ein klarer Sommermorgen auf der Fürenalp. Hirte Paul öffnete den Zaun, und die Herde drängte hinaus in die nächste Koppel. Schon seit einigen Jahren hielt er die Tiere in Umtriebsweide. Das bedeutete, dass die Weideflächen in Abschnitte – sogenannte Koppeln – unterteilt waren. „Heute bleibt ihr hier,“ murmelte er, während die Tiere sich über das frische Gras hermachten. „Aber höchstens zwei Wochen, dann geht’s weiter.“ Paul wusste genau, warum: Nur so konnte das Gras nachwachsen, und die Weiden wurden nicht übernutzt. Erst nach mindestens vier Wochen durften die Herde wieder zurück in die gleiche Koppel. Es war eine geregelte Form der Weidehaltung – etwas strenger für den Hirten, aber schonend für die Natur. So erzählte Paul den jungen Hirtenbuben, die im Sommer mithalfen, immer wieder: „Merkt euch den Unterschied – die Umtriebsweide ist wie ein Garten, den man mit Bedacht pflegt. Die Standweide ist eher wie ein offenes Feld, das man hofft, nicht zu stark zu belasten. Beide haben ihre Zeit, aber die Natur dankt es, wenn wir mit ihr sorgsam umgehen.“ Für die Natur entschied man sich auf dem obersten Tagenstall "Schaftal" keine Tiere mehr zu sömmern, weil das Gebiet nahe am Jagdbanngebiet lag. Der Wald und die Wiesen sollten ungestört bleiben, damit Wildtiere genug Raum hatten.

Und während die Schafe ruhig grasten und ihre Glocken leise bimmelten, verstand man, dass hinter jedem einfachen Alpalltag viel Wissen und Erfahrung steckte – über Tiere, Weiden und den richtigen Rhythmus des Sommers.

Plattenbruch

Hoch über Engelberg, am Hang des Tagenstall, liegt ein unscheinbarer Ort, den man „Plattenbruch“ nennt. Heute ist er still, überwachsen von Gras und Sträuchern. Doch vor Jahrhunderten hallte hier das Schlagen der Eisenhämmer wider. Männer standen im Staub und brachen mühsam Schieferplatten aus dem Fels.

Diese Platten waren ein kostbarer Schatz für Engelberg. Denn im Tal unten stand das Kloster, das 1120 gegründet worden war. Die Mönche brauchten für ihre Gebäude haltbare und wetterfeste Materialien. Und so fanden sie im Tagenstall, nur eine Tagesreise von den Klostermauern entfernt, das, was sie suchten: flache, spaltbare Steine, die sich ideal als Dachplatten eigneten.

Mit Schlegel und Eisen wurden die Platten aus dem Fels geschlagen, vorsichtig aufeinandergelegt und mit Pferden oder Maultieren ins Tal gebracht. Auf den steilen Wegen musste man vorsichtig sein – so manche Platte ging zu Bruch, bevor sie das Kloster erreichte. Aber viele Dächer des Klosters Engelberg, ja sogar mancher Bauernhof im Tal, waren einst mit Steinen vom Tagenstall gedeckt.

Die Arbeit im Plattenbruch war schwer. Die Männer standen im Sommer wie im Winter in der Kälte, schützten sich mit groben Handschuhen und trugen die Lasten auf dem Rücken. Aber sie wussten: Jeder Stein, den sie brachen, trug dazu bei, das Kloster Engelberg zu schützen – vor Regen, Schnee und Sturm.

Heute ist der Plattenbruch still. Nur wenige kennen seine Geschichte. Doch wer dort oben steht und die Hand über die kühlen Steine legt, spürt die Vergangenheit: den Klang der Hämmer, das Keuchen der Männer, das Klappern der Maultiere – und die Dankbarkeit der Mönche, die unter einem festen Dach beteten und arbeiteten.

So verbindet der Plattenbruch Tagenstall bis heute die wilde Bergnatur mit dem spirituellen Zentrum Engelbergs – ein stilles Zeugnis harter Arbeit und klösterlicher Geschichte. Pirmin Breu hat einige Kunstwerke auf Schiferstafeln vom Plattenbruch gestaltet.

Wasser der grösste Schatz

Es war ein klarer Sommertag auf der Alp. Die Sonne brannte warm, und die Tiere standen ruhig auf der Weide. Doch ohne etwas ganz Bestimmtes könnten sie nicht dort sein: das Wasser.

„Seht ihr,“ erklärte Älplerin Vreni ihren Kindern, „das Wasser ist hier oben unser größter Schatz. Ohne Wasser hätten die Tiere nichts zu trinken, und ohne Wasser könnten wir auch keine Milch verarbeiten.“ Sie zeigte auf den kleinen Brunnen, in dem das klare Bergwasser sprudelte. Aus einer hölzernen Rinne plätscherte es direkt in die Tränke für die Tiere. „Früher,“ erzählte der Vater, „mussten die Älpler lange Wege gehen, um Wasser zu holen. Manchmal legten sie mit viel Arbeit kleine Kanäle, damit das Wasser zu den Weiden floss.“ Heute halfen Brunnen und Leitungen, doch die Abhängigkeit vom Wasser war gleich geblieben.

Denken wir also daran, wenn wir die Hände ins kalte Nass tauchen. „Das Wasser ist wie das Herz der Alp, es schenkt Leben – für uns Menschen, für die Tiere und für die ganze Bergwelt.“ Wasser nicht einfach selbstverständlich. Es ist ein Geschenk, das alles am Leben hält.

Kloster Engelberg

Vor vielen Jahrhunderten, im Jahr 1120, wurde hoch im Tal das Kloster Engelberg gegründet. Die Benediktinermönche, die sich hier niederliessen, brachten Ordnung und Wissen ins wilde Bergtal. Sie rodeten Wälder, legten Felder an und bauten Bewässerungssysteme, damit die Menschen und Tiere in dieser rauen Gegend überleben konnten. Schon früh gehörten ihnen auch Alpen – darunter die Alp Tagenstall, die hoch über Engelberg liegt.

Die Jahrhunderte gingen vorbei, doch die Verbindung blieb. Noch heute gehört die Alp Tagenstall dem Kloster Engelberg.

Eine weitere Verbindung ist hier zum Kloster Muri und Pirmin Breu. Der ersten Mönche kamen vom Kloster Muri und Pirmin Breu war früher Ministrant in Muri. Ein weiterer Kreis der sich mit dem StreetArt meets FürenAlp schliesst. Allerdings hat sich die Nutzung verändert. Wegen der Nähe zum Jagdbanngebiet werden dort keine Schafe mehr gesömmert. Dafür weiden Kühe auf den Matten, und das Wasser, das durch die Bergbäche rauscht, hat eine neue Bedeutung bekommen.

Denn aus der Kraft des Wassers entstand das Wasserkraftwerk. Wo früher nur die Älpler das Rauschen der Bäche hörten, findet man heute zusätzlich einen kleinen Stausee um Strom für das Kloster Engelberg zu erzeugen. Es ist eine moderne Art, die Natur zu nutzen – so wie es die Mönche früher mit den Alpen und Wiesen taten.

Wenn man heute in Engelberg steht, sieht man drei Welten nebeneinander: das ehrwürdige Kloster mit seinen Glocken, die traditionellen Alpen wie Tagenstall, wo noch immer das Vieh weidet, und das Wasserkraftwerk, das das Rauschen der Bergbäche in Energie verwandelt.

So erzählt Engelberg eine Geschichte von Tradition und Fortschritt: vom Gebet der Mönche, vom Alltag der Älpler und von der Kraft des Wassers, das seit Jahrhunderten das Tal prägt.